Als Pastoralreferent in der Gemeindepastoral

Von Martin Mayer

Im Erzbistum Hamburg ist die Mehrzahl der Pastoralreferenten in so genannten kategorialen, d. h. außergemeindlichen Aufgabenfeldern eingesetzt. In Gemeinden arbeiten oft Gemeindereferenten, aber nur wenige Pastoralreferenten mit ganzer Stelle. Deshalb möchte ich fragen: Was können Theologen aus ihrem Blickwinkel in Gemeindearbeit einbringen?

In der Gemeinde bildet sich viel von dem ab, was in unserer Gesellschaft läuft. Verschiedene Milieus kommen zusammen – oder auch nicht, Menschen mit sehr verschiedenen Lebenssituationen kommen hierher – oder auch nicht. Schon ist man mittendrin in den Fragen: Was macht eigentlich Kirche aus, für wen sind wir da, wen erreichen wir und wen nicht und warum, was ist unsere Botschaft?

Ekklesiologie ist also angesagt. Ist Kirche nur etwas für getaufte und gut sozialisierte Mittelschicht-Milieus oder gibt es nicht auch hier die Option für die Armen? Wer trägt Verantwortung in der Kirche – nur die Hauptamtliche oder sind es nicht alle Gläubigen? Die Frage, wie das allgemeine Priestertum der Gläubigen gelebt wird, ist sofort auf der Agenda, denn es gibt wohl kaum eine Gemeinde, die nicht unter der Schwierigkeit leidet, zu wenig Mitarbeiter zu haben, aber gleichzeitig schnell den Ruf nach den Hauptamtlichen parat hat, die doch alle Arbeit machen sollen, weil sie dafür schließlich bezahlt werden.

Hier gilt es immer wieder zu motivieren und zu gewinnen, zuzutrauen aber auch nicht zu überfordern, es gilt ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Kirche mehr ist als nur der Gottesdienst am Sonntag und dass Kirche mehr ist als nur die Hauptamtlichen.

In allen Feldern der Gemeindepastoral kommt man intensiv in Kontakt mit Menschen. Man hat Gelegenheit, über den Bereich der Kerngemeinde hinaus zu gehen. Die klassischen Felder der Kinder- und Jugendkatechese (Erstkommunion und Firmung) beispielsweise bieten die Möglichkeit, einmal Menschen zu erreichen, die eher am Rande der klassischen Gemeinde stehen – auch sie sind Kirche. Die Arbeit in der Caritas führt schnell zu einem Kontakt mit anderen nicht-kirchlichen Institutionen – Kirche kann hier Profil nach außen zeigen. In der Ökumene gibt es vielfältige gute Kontakte – zusammen treten wir auf und werden auch von den politischen Institutionen wahrgenommen. In der Jugendarbeit ergeben sich zuweilen fast beiläufig tiefe Gespräche über Glauben, Gott, Politik und Ethik – schnell ist da eine Form von Jugendbildung mit im Spiel.

In der Gemeindepastoral treffen damit verschiedene Felder zusammen, für die es sonst eigene kategoriale Einsatzstellen gibt. Dabei sind dies sind nur einige Beispiel aus dem Arbeitstalltag. Gemeindepastoral ist wahrscheinlich weniger spezialisiert als die Bereiche der kategorialen Seelsoge, aber dafür sehr vielfältig.

Mehrfach schon habe ich erlebt, dass es zu tiefen Gesprächen mit den Menschen über ihre Fragen und Nöte kam. Die scheinbar so frommen Gläubigen ebenso wie die eher Fernstehenden haben ihre Fragen an Gott, an Kirche, an den Glauben. Die Menschen sind auf der Suche nach Halt und Orientierung. Doch die festen, bisher gewohnten Strukturen unserer Gesellschaft lösen sich immer mehr auf und auch das Kirchen- und Gemeindebild verändert sich stark. Das ist belastend und erzeugt Verunsicherung. Ich erlebe, dass Menschen dankbar aufnehmen, wenn es gelingt, aus theologischer Sicht dazu etwas zu sagen und Mut zu machen. Biblische Bilder von Veränderung und von Gottesbegegnung auf dem Weg gibt es ja viele – diese gilt es den Menschen zugänglich zu machen und aufzuschließen. Das ist dann Theologie pur und dies ich empfinde als befriedigend.

 

© Pastoralreferent Martin Mayer
Pfarrei Heilig Geist, Wedel/Uetersen